Vereinsgeschichte des TSV Fichte Hagen in den Nachkriegsjahren 1945 - 1952

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Zum 50. Jahrestag der Gründungsversammlung der Eilper, SeIbecker, Delsterner und Oberhagener Traditionsvereine zum TSV Fichte Hagen 1863 e.V. am 8. September 1945, verbunden mit dem 35. Jubiläum des Förderringes des TSV Fichte Hagen.

Im Jahre 1995 jährt sich zum 50. Male die Gründungsversammlung der Traditionsvereine aus Eilpe,Selbecke, Delstern und Oberhagen zur Gründung des Eilper Großvereins TSV Fichte Hagen 1863 e.V. Aus diesem Anlaß und dem gleichzeitigen 35-jährigen Jubiläum seines Förderringes möchten wir mit diesem Beitrag an die Männer und Frauen erinnern, die letzten Endes Ursprung der heutigen, großen Hagener Sportgemeinschaft mit knapp 1600 Mitgliedern waren. Die Passagen und Erläuterungen stammen im Wesentlichen aus im Original vorhandenen Unterlagen und Protokollen.
Sie sind es wert, auch den nachwachsenden Generationen in Erinnerung und in das Bewußtsein gerufen zu werden.

Nach dem Krieg ein neues Beginnen:
Der Krieg, der in Eilpe praktisch mit dem Einmarsch der amerikanischen und englischen Streitkräfte April 1945 beendet war, hatte auch in unseren Vereinen sichtbare Lücken hinterlassen. Viele junge Sportsfreunde kehrten aus dem Kriege nicht oder als Kriegsbeschädigte zurück.

Aber auch an unseren Sportstätten und -plätzen hatte der Krieg sichtbare Schäden angerichtet. Beide städtischen Turnhallen, die von den Vereinen genutzt wurden - Turnhalle Franzstraße und Turnhalle Selbecker Straße 55 - waren durch Kriegseinwirkungen zerstört. Auf der Kampfbahn Struckenberg war in den letzten Kriegsjahren eine Flakbatterie stationiert worden und am Sportplatz Wörthstraße fiel die gesamte Umzäunung (Bretterzaun) und das Umkleide-/ Gerätegebäude den Kriegs- und Nachkriegswirren zum Opfer und wertvolle Turngeräte wurden zerstört.

Durch das Gesetz Nr. 5 der Alliierten Millitär-Regierung wurde die NSDAP, deren Ämter, Organisationen und Einrichtungen aufgelöst und in vollem Umfang verboten. Dieses Gesetz betraf auch den nationalsozialistischen Reichsbund für Leibesübungen, und damit wurden die darin zusammengefaßten Turn- und Sportvereine verboten
und aufgelöst. Erfreulicherweise rief am 30.6.1945 der komm. Oberbürgermeister der Stadt Hagen, Herr Ewald Sasse,alle Sportinteressenten der Stadt Hagen zu einer ersten Besprechung zwecks Wiederaufnahme des Turn- und Sportbetriebes im Ratskeller zusammen. Der Oberbürgermeister schilderte die Lage nach dem Zusammenbruch. Er versprach, alles daranzusetzen, für unsere schwer geprüfte Stadt Hagen bald bessere Verhältnisse zu schaffen. Er wünschte u. a.,daß auch der Turn- und Sportbetrieb wieder aufgenommen werden sollte. Nach Bekanntgabe einiger allgemeiner Richtlinien erteilte er dem Beauftragten des Regierungspräsidenten für den Wiederaufbau des Turn- und Sportlebens, dem Sportkameraden Hugo Grömmer, das Wort. Sodann sprach Sportfreund Grömmer über die Neugestaltung des Turn- und Sportwesens, indem vor allen Dingen die Bildung von Großvereinen gewünscht wurde. Aus diesen Anregungen heraus rief der Sportfreund Erich Blankenagel die Sportinteressenten der Oberstadt am 9.7.1945 zu einer ersten Besprechung zusammen. Dieser Aussprache folgte auf Veranlassung von Vertretern des TUS Eilpe (Fritz Linke und Kurt Nießen) am 13.7. eine Zweite, um der am 16.7. stattfindenden Besprechung die Vorarbeiten zur Bildung eines Großvereins zu leisten.

Das Protokoll der Zusammenkunft vom 16.7.1945 lautet:
Auf Anregung des Sportkameraden Hugo Grömmer - Sportbeauftragter des Regierungspräsidenten - und zufolge seiner Ausführungen über die Neugestaltung von Turn- und Sportvereinen bzw. des Sportes überhaupt, wurde heute zwischen den unterzeichneten Turn- und Sportinteressenten der Stadtteile Oberhagen, Eilpe, Delstern und Selbecke folgendes vereinbart:

1. Die Gründung eines leibesübungstreibenden Vereines an zuständiger Stelle zu beantragen.

2. Als Ziel und Zweck des Vereins festzulegen: Ausschließlich Leibesübungen zu betreiben, um dadurch zur Gesunderhaltung des deutschen Volkes beizutragen.
Politische sowie wehrsportliche Motive grundsätzlich nicht zu verfolgen.

3. Nachstehende Sportarten vorzusehen: Turnen, Gymnastik, Sommerspiele, Rasenspiele, Schwimmen, Wandern und Schwerathletik.

4. Den Verein Sportverein Fichte Hagen-Eilpe zu benennen.

5. Den vorläufigen Vorstand wie folgt zu bilden:
  • 1.Vorsitzender: Wilh.Wortmann;
  • 2.Vorsitzender: Otto Densch sen;
  • Schriftführer: Heinrich Sommer;
  • Kassierer: Hans Glock;
  • Sportwart: Emil Sommer;
  • Jugendwart: Wilhelm Kortmann;
  • Beisitzer: Erich Blankenagel

    Vereinbart zu Hagen, den 16. Juli 1945 im Lokal Hugo Steinhauer, Hagen, Selbecker Straße;
    gez.: Otto Densch, Fritz Kahl, Hans Glock, Kurt Nießen,
    Emil Sommer, Heinrich Sommer, Emil Schmalenbach,
    Wilhelm Janzen, Hermann Lenz, Erich Blankenagel.

    Nach diesem Beschluß hat der damit ins Leben gerufene Verein am 26.7.1945 über den Oberbürgermeister der Stadt Hagen an die Alliierte Militärbehörde den Antrag auf Zulassung des Vereinsbetriebes gestellt. Durch die am 29 7.1945 erfolgte Aufnahme des Spielbetriebes und der regelmäßigen Abhaltung von Geschäfts- stunden kam allmählich wieder Leben in den Sportbetrieb der Oberstadt. Am 1. August 1945 wurde der Stadtverband für Leibesübungen gebildet, in den die Sportfreunde Blankennagel und Densch als Vertreter der Oberstadt aufgenommen wurden. Auf Grund der zu erwartenden Genehmigung des neugegründenten Vereins wurde seitens der Stadtverwaltung die Genehmigung erteilt, eine Versammlung abzuhalten, um einen endgültigen Beschluß aller Sportinteressenten für die angebahnte Neugründung zu vollziehen.

    Die Versammlung, zu der die Sportinteressenten der Stadtteile Oberhagen, Eilpe, Delstern und Selbecke durch Handzettel und Aushänge eingeladen wurden mit dem Ziel, einen neuen Turn und Sportverein zu gründen, fand dann am Sonnabend, den 8. September 1945, im Lokal Eicker (später Gottfried Schramm, dann »Pizzeria«, Riegestraße) statt. 97 Sportinteressierte waren der Einladung gefolgt. Die Versammlung billigte den Vorschlag des Versammlungsleiters, des späteren Vorsitzenden Wilhelm Wortmann, zunächst einen vorläufigen Arbeitsausschuß zu bilden.

    Im Punkt 2 der Tagesordnung wurde dann der endgültige Name des neuen Vereins festgelegt. Zur Einführung wurde vom Versammlungsleiter gesagt, daß es besser wäre, bei den nun folgenden Besprechungen neutral zu bleiben und sich ohne Anlehnung an die früheren Vereinsnamen an den Beratungen zu beteiligen. Für den Antrag des Arbeitsausschusses, den Verein "Sportverein "Fichte" Hagen-Eilpe" zu benennen, sprachen sich die Sportfreunde Sommer und Schmalenbach aus, sie stellten in ihren Ausführungen besonders die Persönlichkeit Fichtes heraus. Der dann zur allgemeinen Diskussion gestellte Punkt 2 der Tagesordnung erbrachte eine lebhafte Debatte, die abschließend zur Abstimmung Über die Vorschläge:
    a) Sportverein Eilpe-Delstern 1863 oder
    b) Sportverein 'Fichte" Hagen-Eilpe führte

    Der Vorschlag b) wurde mit 60 gegen 20 Stimmen angenommen und damit der neuen Eilper Sportvereinigung der Name Sportverein 'Fichte' Hagen-Eilpe gegeben.

    Im neuen großen Eilper Verein stellten sich gleich gute turnerische und sportliche Erfolge ein. Leichtathleten, Turner, Handballer und Fußballer zählten nicht nur zu den besten des Stadtgebietes, sondern machten den Namen "Fichte Hagen" auch weit über den heimischen Raum bekannt. Der Verein hatte bereits in den Anfangsjahren 600 bis 700 Mitglieder.

    Die große Eilper Gemeinschaft sollte jedoch leider nicht lange bestehen. Selbecke und Delstern machten sich in den Randgebieten unseres Ortsteils 1948 und 1949 bereits wieder selbstständig. Es sei aber heute nochmals darauf hingewiesen, daß der Zusammenschluß der Eilper Vereine wohl von dem späteren Sportbeauftragten
    des Regierungspräsidenten, dem Eilper Hugo Grömmer, angeregt wurde, der Willle zu einem Zusammenschluß der Eilper Vereine zu einem Großverein jedoch von den Mitgliedern der Eilper Vereine selbst kam. Der Wunsch zu einem Miteinandergehen war in den Mitgliederkreisen schon lange gekeimt. In den 30er Jahren fanden bereits Besprechungen über einen Zusammenschluß von TUS und Germania Eilpe statt.

    Unser TSV Fichte Hagen 1863 e.V. - den Namen trägt unser Verein allerdings erst nach dem Versammlungsbeschluß vom 25.10.1952 im überfüllten Felsenkeller - zählt heute fast 1.700 Mitglieder und ist nicht nur Hagens zweitältester, sondern auch Hagens zweitgrößter Turn- und Sportverein.

Das eigentliche Vereinsleben spielt sich heute - man kann vielleicht leider sagen - im großen Maße in den immer mehr zur Selbständigkeit neigenden Abteilungen als im Gesamtverein ab.

An den im Jahre 1945 stattfindenden Gründungsaktivitäten waren ganz besonders unsere verstorbenen Mitglieder:

  • Otto Densch sen., Heinrich Sommer, Emil Sommer, Wilhelm Kortmann,
  • Fritz Kahl, Hermann Lenz, Willi Janzen, Emil Schmalenbach,
  • Kurt Nießen, Eugen Rummenohl, Otto Walter, Waltet Ruthenkolk,
  • Albert Lux, Ewald Langenbach, Willi Schmidt, Paul Osthoff,
  • Helmut Herzog, Fritz Dannheil, Josef Schwark, Alfred Niggeloh, Helga Pörschmann,
  • Ida Sommer, Fritz Linke, Andreas Herholdt, Gustav Hülsmann, W. Sporbeck,
  • Wilhelm Siemes, Alex Wegerhoff, Ernst Nierhaus, Hans Glock, Erich Blankenagel und Siegfried Pöschmann beteiligt.

    Den verstorbenen Gründungsmitgliedern von damals, aber auch allen anderen verstorbenen Mitgliedern, die sich um unseren Verein verdient gemacht haben, gilt unser ganz besonderer Dank für ihren Einsatz bei der Gründung und für das weitere Wachstum des TSV Fichte Hagen 1863 e.V.

Wir werden Ihnen immer ein ehrendes Gedenken in unserem Verein bewahren und Sie nicht vergessen.

Eine Bitte:

Haben Sie Anregungen für Ergänzungen, Änderungen oder auch Richtigstellungen unserer Nachkriegsgeschichte??

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